Die Einschulung nicht sprechender und hörgeschädigter Schüler in den Jahren 2003 bis 2005 in die damalige Unterstufe der Fidelisschule, führte zu einer ersten intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Unterstützte Kommunikation. Im Frühjahr 2005 erfolgte für das gesamte Kollegium der Fidelisschule eine schulinterne Fortbildung.

Seit dem Schuljahr 2013/ 2014 fungiert die Sonderschullehrerin Carolin Binder als Koordinatorin für den Bereich der Unterstützten Kommunikation an der Fidelisschule. Sie ist für die klassen- und stufenübergreifende Diagnostik und Beratung mit 1 Entlastungsstunde ausgestattet. An der Fidelisschule haben ca. 5-10 Schüler einen konkreten Bedarf an UK. Für das Schuljahr 2014/2015 sind zusätzliche Einzelförderstunden für 4 Schüler geplant.

 

1. Allgemeins

Was ist unterstützte Kommunikation?

Unterstützte Kommunikation ist der Oberbegriff für alle pädagogischen oder therapeutischen Maßnahmen zur Erweiterung der kommunikativen Möglichkeiten von Menschen, die nicht oder nur eingeschränkt über Lautsprache verfügen. Unterstützte Kommunikation möchte kommunikationsbeeinträchtigten Menschen mehr Chancen für eine effektive Verständigung geben.

 

Wer braucht Unterstützte Kommunikation?

Alle Menschen, die sich nicht oder nur unzureichend mit Lautsprache verständigen können, brauchen Unterstützung in ihrer Kommunikation. Das können Menschen sein, die:

  • nur unartikulierte Laute produzieren
  • wenige verständliche Wörter, Sätze oder Satzteile sprechen
  • schwer verständlich sprechen
  • eine geeignete Alternative zur Lautsprache benötigen, da diese für sie zu komplex ist.

 

Welche Kommunikationsformen gibt es?

  1. Körpereigene Kommunikationsformen:
    • Mimik und Gestik (Zeigen, Blickbewegung, Ja-Nein-Zeichen)
    • Laute
    • Gebärden
  2. Externe Kommunikationsformen
    • Nichtelektronische Hilfen:
      • reale Gegenstände
      • Foto-, Bild-, Symbol- oder Wortkarten
      • Kommunikationstafeln- und Ordner, Tagebuch
    • Elektronische Hilfen:
      • Anybook Stift
      • BIGmack
      • Talker
  3. FC (Facilitatet Communication) Gestützte Kommunikation

 

Zu 1. Gebärden

Folgende Gebärdensysteme sind zu unterscheiden:

  • Die deutsche Gebärdensprache DGS (eigenständiges Sprachsystem der Gehörlosen)
  • Lautsprachbegleitetende Gebärden LBG (Wort für Wort wird gebärdet)
  • Lautsprachunterstütztende Gebärden LUG (Wichtige Wörter werden gebärdet)

Sprachunterstützende Gebärden sind einfache motorische Handzeichen, die das Sprechen begleiten und verständlicher machen können. Manche Schüler haben Schwierigkeiten, das gesprochene Wort zu verstehen, mit Hilfe einer Gebärde wird das Wortverständnis erleichtert. Manche sprechen undeutlich und können sich mit Hilfe einer Gebärde verständlicher ausdrücken. Auch die Begriffsbildung wird gefördert. Für viele Schüler erlangen Worte erst eine Bedeutung durch die „motorischen Bilder“ der Gebärde.

Der Einsatz von Gebärden ist jedoch nicht in jedem Fall für ein Kind erlernbar. Es gibt Schüler, deren Verständnis und das Nachvollziehen kommunikativer Inhalte der motorischen Gebärden nicht entwickelt ist. Es gibt auch Schüler, die in ihrer Motorik so stark beeinträchtigt sind, dass für sie der Einsatz von Gebärden nicht oder nur eingeschränkt möglich ist.

 

zu 2. Externe Kommunikationsform – nichtelektronische Hilfen Kommunikationstafeln, Kommunikationsordner

Zur Unterstützung der Kommunikation mit Kommunikationsordnern können verschiedene Systeme benutzt werden: Fotos, Zeichnungen, Bilder, Abbildungen, „Ja- Nein- Karten“ sowie Buchstaben-, Wort- und Satzkarten. Die Bilder- und Symbolsammlungen können auf verschiedene Arten dargeboten werden z. Bsp.: in einem Ordner, in Fotoeinsteckalben, als laminiertes Einzelfoto, als Tafel oder in verschiedenen Einsteckhüllen.

Die Benutzer müssen ein bestimmtes Symbolverständnis haben und wissen, dass durch das Symbol nur Aspekte der Wirklichkeit abgebildet werden. Eine weitere Voraussetzung ist, dass der Benutzer, die durch Fotos, Bilder oder Symbole abgebildeten Dinge, erkennen und deuten können sollte, um mit deren Hilfe einen Sachverhalt auszudrücken. Spätestens bei der Anwendung von Symbolen, muss der Benutzer auch in der Lage sein zu verallgemeinern. Er muss wissen, dass das Symbol für „Haus“ verschiedene Gebäude repräsentiert.

Da nur eine begrenzte Anzahl von Bildern und Symbolen zur Verfügung stehen und die Kommunikationstafeln bzw. Kommunikationsordner vom betreffenden Schüler überall mitgeführt werden müssen, ist deren Einsatz nur eingeschränkt und auf einen bestimmten Personenkreis zugeschnitten, möglich.

 

Zu 2. Externe Kommunikationsform: elektronische Hilfsmittel

Folgende Geräte sind zu unterscheiden:

  • Geräte mit Sprachausgabe geben das, was der Nutzer sagen möchte, in Lautsprache wieder. Bei diesen Hilfsmitteln unterscheidet man zwischen natürlicher und synthetischer Sprachausgabe.
  • Geräte ohne Sprachausgabe sind einfache Geräte. In Verbindung mit einem Taster wird ein beliebiges elektrisches Gerät in Gang gesetzt, welches durch seine Inbetriebnahme auf die erwünschte Kommunikation aufmerksam macht und als „Kommunikationsanbahnung“ dient.

 

BigMack Es kann eine Botschaft von ca. 60 Sekunden aufgenommen werden. Diese wird durch Tastendruck abgerufen.

Step by Step
Mitteilungen oder kurze Geschichten bis zu einer Länge von vier Minuten können aufgenommen werden. Durch die getrennten Ebenen können drei getrennte Bereiche besprochen werden.

AnyBook-Vorlesestift
Mit dem Stift kann jedes gewünschte Objekt über einen Sticker vertont werden. Um dem Sticker eine Aufnahme zuzuweisen, wird der Stift auf den Aufkleber gehalten und die gewünschte Nachricht aufgesprochen. Die Wiedergabe erfolgt durch Berührung des Stifts mit dem Sticker.

GoTalk 4+
In verschiedene Themenebenen sortiert, befinden sich auf den Tasten Symbole, die durch einen leichten Druck ihre Mitteilung wiedergeben. Der GoTalk 4+ verfügt über vier Tasten in jeweils fünf Ebenen. Die Speicherkapazität entspricht zwanzig Nachrichten.

Ipad
Das i pad ist ein tablet mit dem Betriebssystem IOS von apple. Das ipad ist ein komplexes Sprachausgabegerät, welches über das Antippen mit dem Finger oder einem Stylus (Stift mit spezieller Oberfläche) angesteuert wird. Das ipad ist sehr intiutiv bedienbar sowie mobil und flexibel einsetzbar. Eine Kamera ist integriert, sodass schnell Fotos eingefügt werden können. Über einen appstore kann spezielle Software heruntergeladen werden.

GoTalk Now
GoTalk Now bietet Zugriff auf die Symbolsammlung von Metacom. Es stehen verschiedene Layouts zur Auswahl: Oberflächen mit ganzseitigen Szenenbildern und Rasterseiten mit unterschiedlich vielen Feldern (1, 4, 9, 16 oder 25).
Die App eigenet sich für die Erstellung von Ich-Büchern, einfachen sowie komplexerern Themenseiten. 

MetaTalkDE
MetaTalkDE bietet eine fertig strukturierte Symbolsammlung. Es gibt 3 vorkonfigurierte Vokabulare, die sich in Anzahl der Felder bzw. Wörter unterscheiden: 5x9 (2000)/ 4x7 (1500)/ 3x5 (1000). Das Vokabular ist in Themenkategorien angeordnet. Pronomen werden automatisch mit grammatisch passenden Verbformen verknüpft.
Seiten und Vokabulare lassen sich vollständig individuell gestalten: Tasten können mit eigenen Fotos sehr einfach über die angebundene Kamerafunktion belegt werden.

Assistive Express German
Assistive Express German ist eine schriftbasierte software. Geschriebener Text wird in Sprache umgewandelt. Die App enthält eine Wortvorhersage was schnelleres Schreiben ermöglicht. Der Verlauf der letzten gesprochenen Texte wird gespeichert und kann abgerufen werden. So können häufig verwendete Wörter schnell und einfach wieder gefunden werden.

 

Zu 4. Gestützte Kommunikation – FC (Facilitatet Communication)

Eine Stützperson bietet dem FC- Anwender physische und psychische Hilfestellung. Hierbei wird dem gestützten Schüler ein gezieltes Zeigen auf Objekte, Bilder, Symbole, Wörter, Buchstaben ermöglicht.

 

2. Weiterbildung und Vernetzung

  • 2007: „Elektronische Hilfsmittel und deren Einsatz im Unterricht“
  • 2009: „Kommunikationsbücher – Erstellung und Einsatzmöglichkeiten“
  • 2012: Standartisierte ISAAC-Fortbildung (KBZO)
  • Halbjährliche Treffen beim Sprachheilzentrum Ravensburg/Haslachmühle/KBZO
  • Halbjährliche Treffen des Arbeitskreises UK am Schulamt Albstadt
  • Regelmäßiger Austausch mit den Logopäden an der Schule bzgl. der Förderung einzelner Schüler

 

3. Stufenbezogene Förderung

Grundstufe

Bereits mit dem Eintritt in die Grundstufe der Fidelisschule lernen alle Schülerinnen und Schüler Gebärden kennen. Bei der morgendlichen Begrüßung oder beim Erlernen von Liedern werden lautsprachunterstützte Gebärden eingeführt. Allmählich kommen weitere Gebärden für Begriffe hinzu, die den Tagesablauf strukturieren. Hierbei werden die Gebärden für die Wochentage eingeführt und für den Stundenplan.

Durch die tägliche Wiederholung prägen sich die einzelnen Gebärden ein. Bereits nach dem ersten Schulhalbjahr können die meisten Schülerinnen und Schüler selbständig einzelne Gebärden anwenden. Bei den meisten Schülern genügt es, durch „vormachen und nachmachen“ den Ablauf einer Gebärde einzuführen. Kinder, die in ihrer Motorik eingeschränkt sind, werden durch die Lehrkräfte bei der Ausführung der Gebärden unterstützt und differenziert angeleitet.

Übungen zur Lautdifferenzierung werden dadurch optisch unterstützt und bieten den Schülern eine zusätzliche Hilfe. Bei der Einführung von Lautgebärden lernen die Schülerinnen und Schüler zunächst die Gebärde für den Anfangsbuchstaben ihres Vornamens kennen.

Neben der Anwendung von Gebärden lernen die Schüler auch Fotos, Piktogramme und Symbole als zusätzliches Kommunikationsmittel kennen und anwenden. Einzelne Schüler verfügen über ein Kommunikationsbuch, das ihnen hilft, ihre mangelnde Sprachkompetenz auszugleichen, und persönliche Bedürfnisse und Erlebnisse mit zu teilen. Bei der Erstellung dieser Kommunikationsbücher ist die individuelle Entwicklung des einzelnen Schülers ausschlaggebend.

 

Hauptstufe

Auf die in der Grundstufe erworbenen individuellen Kenntnisse der Schülerinnen und Schüler wird in der Hauptstufe I weiter aufgebaut. Zu der bisherigen Anwendung von Gebärden und Kommunikationsbüchern im Unterricht werden individuell angepasst, Piktogramme und Symbole für die Erstellung von Tagebüchern oder zur Dokumentation von Unterricht eingeführt.

Der Einsatz des PC, um Wörter und Sätze zu schreiben, aber auch zur Erstellung von Fototafeln nimmt einen immer breiteren Raum ein. Gleichzeitig werden Schüler mit einer stärkeren Beeinträchtigung an die Handhabung elektronischer Hilfsmittel mit natürlicher Sprachausgabe herangeführt. Diese dienen einerseits dazu, das Elternhaus noch stärker in die Thematik der Unterstützten Kommunikation einzubinden. Gleichzeitig wird den Schülern durch das Übertragen einer gesonderten Aufgabe die Möglichkeit gegeben, sich aktiver am Schulalltag zu beteiligen und hierdurch ihre Persönlichkeit zu stärken. So hat z.B. ein nicht- sprechender Schüler die Aufgabe übernommen, als „Postbote“ Grußkarten, die sich die Schüler der ganzen Schule gegenseitig schicken können, auszuteilen. Um sich mitzuteilen, setzt er einen GoTalk 4+ ein.

Die Entwicklung weiterer Kenntnisse im Bereich Unterstützte Kommunikation wird auch in der Hauptstufe II weitergeführt. In der Hauptstufe II werden nur noch bedingt Gebärden eingesetzt. Teilweise ist es schwierig pubertierende Jugendliche, die sprechen können, zum Einsatz von Gebärden zu motivieren. Aus diesem Grund wird in diesem Altersbereich verstärkt auf den Gebrauch von Kommunikationstafeln und Ordnern zurückgegriffen.

 

Berufsschulstufe

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt befinden sich in der Berufschulstufe der Fidelisschule überwiegend sprechende Schülerinnen und Schüler. Zwei Schülern nutzen intensiv die Möglichkeiten eines Kommunikationsbuches. So beinhaltet ihr jeweiliges Kommunikationsbuch z.B. austauschbare Kärtchen mit den jeweiligen Komponenten des Mittagessens. Möchte der Schüler einen Nachschlag, so kann er das jeweilige Kärtchen herausnehmen und damit selbständig zur Essensausgabe gehen. Damit wird die Selbständigkeit des jeweiligen Schülers gefördert und zugleich ein höheres Maß an Eigenverantwortung entwickelt. Der Schüler kann mit Hilfe seines Kommunikationsbuches zu Hause über die Abläufe in der Schule berichten und ebenso Erlebnisse aus dem Elternhaus in der Schule mitteilen.

In der Berufsschulstufe können sich Schüler und Schülerinnen die jeweiligen Kurse mithilfe eines anybook Vorlesestiftes versprachlichen lassen. Dadurch können sie selbstständiger den Lehrern und Mitschülern mitteilen, an welchen Kursen sie teilnehmen.

 

4. Kommunikative Anlässe im Rahmen des Schulalltags

Fotos von Schulveranstaltungen

Es besteht eine interne Absprache mit dem AV-Beauftragten der Schule bezüglich der im Rahmen von Schulveranstaltungen entstanden Fotos: Im Sinne der Transparentmachung der schulischen Abläufe, sollen Fotos von Veranstaltungen regelmäßig und vor allem zeitnah an den Pinnwänden der Schule ausgehängt werden. Hierdurch ergeben sich für unsere Schüler, Eltern und Besucher vielfältige Informations- und dadurch auch Kommunikations- möglichkeiten über die schulische Arbeit.

 

Speiseplan der Schule

Zur Orientierung und Verselbstständigung haben alle Schüler die Möglichkeit, sich im Erd- und Obergeschoss über das Speiseangebot der Woche bzgl. des Mittagessens zu informieren. Jeweils zwei Schüler der Hauptstufe II erstellen anhand des regulären Speiseplans am PC einen bebilderten Speiseplan mit den Wochentagsgebärden. Zusätzlich sind die Symbole über einen anybook Vorlesestift vertont und dadurch interaktiv nutzbar.

 

Schulinternes Kiosk

Für alle Schüler werden zur Orientierung bzgl. des Speiseangebotes Fotos der angebotenen Speisen ausgelegt.

 

Schulversammlung

In der einmal im Monat stattfindenden Schulversammlung werden die Inhalte über ritualisierte Symbole mithilfe einer PowerPoint visualisiert. Zusätzlich werden diese immer wiederkehrenden Inhalte von der Moderatorin sprachunterstützend gebärdet.

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